Tagtool

MultiMediaArt, 2009

Über Tagtool

Diplomarbeit von Matthias Fritz Die Diplomarbeit „Multimediale Interaktion mit dem Tagtool“ stellt ein selbstentwickeltes open-source Instrument für Live-Zeichnung und Live-Animation vor. Mittels selbstentwickelter Software (dem „Nodekit“) und Hardware können ein Zeichner und ein Animator gleichzeitig Formen, Farbe und Bewegung des Lichtkegels eines Videoprojektors kontrollieren. Für die Möglichkeiten der Beleuchtung am Theater schlägt das Tagtool-Konzept damit einen neuen Weg ein. Den...

Diplomarbeit von Matthias Fritz

Die Diplomarbeit „Multimediale Interaktion mit dem Tagtool“ stellt ein selbstentwickeltes open-source Instrument für Live-Zeichnung und Live-Animation vor. Mittels selbstentwickelter Software (dem „Nodekit“) und Hardware können ein Zeichner und ein Animator gleichzeitig Formen, Farbe und Bewegung des Lichtkegels eines Videoprojektors kontrollieren. Für die Möglichkeiten der Beleuchtung am Theater schlägt das Tagtool-Konzept damit einen neuen Weg ein. Denn durch das Stilmittel der Lichtmalerei können einerseits konkrete Bildinhalte einem Publikum kommuniziert und andererseits Theaterräume inszenatorisch/abstrakt beleuchtet werden. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Licht am Theater zeigt, dass durch die bahnbrechenden Erkenntnisse der Physik über optische Naturgesetze eine Beleuchtungs- und Projektionstechnik entwickelt werden konnte, die unmittelbar in der Bühnenkunst ihren Ausdruck fand. Genau dort ist es nämlich besonders wichtig, jede Lichtquelle einzeln steuern zu können, um dem Publikum eine bestimmte Emotion und Gesamtwirkung vermitteln zu können. Die Darstellende Kunst stellt mit diesem Verlangen nach Kontrolle gewisse Ansprüche an Theatertechnik, die das Tagtool als Beleuchtungsmittel erfüllt und manche Aspekte sogar erweitern kann. Um die Vorteile und Nachteile der Anwendungen besser verstehen zu können, werden in dieser Arbeit die geschichtlichen Wurzeln jeder einzelnen Gebiete untersucht und mit dem Instrument in Verbindung gebracht.

Idee

Mein erster Kontakt zu dem Thema kam im Kindertheater zu Stande. Im März 2004 bis Sommer 2006 habe ich gemeinsam mit Markus Dorninger an ingesamt drei Bühnenbildern gearbeitet. Gerade im Umgang mit jungem Publikum ist es uns wichtig geworden nicht nur durch den Schauspieler und die Musik mit den Zusehern in Kontakt zu treten sondern den ganzen verfügbaren Raum für Interaktionen zu nutzen. Was konnten wir damals erreichen?

Unser Ziel war es gemeinsam mit einem Sprecher und einer Live-Band bei der Entwicklung einer Kindergeschichte mitzuwirken auf rein visueller Basis. Text, Ton und Bild sollten improvisatorisch zusammenarbeiten und den Verlauf der Handlung dynamisch verändern können. Die Musiker hatten schon viel Erfahrung miteiander gesammelt und einige Aufführungen unter dem Namen „Oral Office“ gegeben für erwachsenes Publikum. Für „Theresas Traum“ im Jahre 2005 wollten wir unseren visuellen Teil zu dieser Band beitragen und somit den Rahmen des Projekts erweitern. Nicht nur die Geschichte als Text und die Musik sollten improvisatorisch aufgeführt werden, auch der Bühnenraum sollte in diesem Stil aktiviert werden mit Hilfe von Beleuchtungsmitteln. Damals waren zwei Arten von Licht bekannt: Erstens das Bühnenlicht an sich und zweitens die Verwendung eines Videobeamers.

Beide Quellen haben verschiedene Vorteile: Ein Schweinwerfer kann den an sich dunklen Bühnenraum durch seinen Lichtkegel aktivieren und somit unterschiedliche Szenen im Theaterstück farblich in Szene setzen. Ein Projektor hingegen nutzt seine Lumen um digital/analoge Signale eines Zuspielgerätes auf einer Projektionsfläche wiederzugeben. Dabei spielt der dargestellte Inhalt eine grosse Rolle für den Verlauf der Aufführung. Durch ein Lichtmischpult konnte jede einzelne Lampe individuell gesteuert werden und durch computergesteuerte Videomixsoftware der Inhalt der Projektion.

Das Tagtool

Für visuelle Künstler gibt es eine ganze Bandbreite an digitalen Werkzeugen, jedoch wenige, die spontanem und künstlerischem Arbeiten in einer Live-Situation gerecht werden. Der Spalt zwischen traditionellen Künstlern mit ihrem über Jahrhunderte verfeinerten Wissen und den Vertretern der Media-Art klafft unübersehbar. Aus diesem Mangel ergab sich die Idee zum Tagtool. Das Tagtool ist ein Instrument zum Live-Zeichnen und Animieren. Es besteht aus einem Koffer, auf dem eine Zeichenfläche und mehrere Regler untergebracht sind, und einem kabellosen Gamepad, mit dem die Zeichnungen bewegt werden können. Bei Tagtool ist gemeinschaftliches Arbeiten gefragt. Ein Zeichner erstellt die Grafiken, die in Echtzeit von einem Animator mittels eines Gamepads zum Leben erweckt werden. Das Ziel des Tagtool-Projekts ist die Erforschung neuer Möglichkeiten für zeichnerische Kommunikation im digitalen Zeitalter – auf der Bühne, auf der Straße und im Internet. Die Entwicklung des Tagtools erfolgt im Sinne der Open-Source-Idee. Sowohl der Quellcode der von Grund auf selbst entwickelten Software (das Nodekit) als auch die Bauanleitung stehen im Internet kostenlos zur Verfügung. Dadurch können Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen ihre Ideen und Expertise einbringen. Dabei besteht sowohl großes Interesse am Tagtool als Produkt als auch an künstlerischen Konzepten und Performances unter Einbindung des Tagtools.

Mitwirkende

Anonyme Person
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